Margarete Boiselle-Vogler ist verstorben: Speyer würdigt jahrzehntelanges Wirken
Die ehemalige Stadträtin der SPD prägte Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in ihrer Heimatstadt über mehr als fünf Jahrzehnte.
Die ehemalige Stadträtin Margarete Boiselle-Vogler ist am 6. September 2026 im Alter von 104 Jahren verstorben. Die Stadt Speyer würdigt damit eine Persönlichkeit, die das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben ihrer Heimatstadt über viele Jahrzehnte mitgeprägt hat.
Boiselle-Vogler wurde am 5. Juni 1922 in der Armbruststraße in Speyer auf dem Voglerhof geboren und blieb ihrer Heimatstadt zeitlebens eng verbunden. Noch im Juni dieses Jahres konnte sie ihren 104. Geburtstag feiern.
Politisch trat sie 1953 in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ein. Sie leitete den SPD-Ortsverein Nord sowie die Arbeitsgemeinschaft der SPD-Frauen und setzte sich besonders für die Gleichberechtigung und die gesellschaftliche Teilhabe von Frauen ein. 1964 zog sie erstmals in den Speyerer Stadtrat ein, dem sie nach zehn Wiederwahlen insgesamt fünf Jahrzehnte lang angehörte. In dieser Zeit arbeitete sie in zahlreichen Ausschüssen und Gremien mit, darunter im Kultur- sowie im Bau- und Planungsausschuss. Nach ihrer langen kommunalpolitischen Tätigkeit wurde sie 2014 aus dem Stadtrat verabschiedet.
Nach Angaben der Stadt war Margarete Boiselle-Vogler auch in Bereichen aktiv, die in den 1950er- und 1960er-Jahren noch weitgehend von Männern geprägt waren. So war sie die erste Frau im Bauausschuss und im Aufsichtsrat der GEWO.
Auch beruflich übernahm sie früh Verantwortung. Seit 1951 war sie Geschäftsführerin der Kiesbaggerei Vogler, die aus dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie hervorgegangen war. Unter ihrer Leitung wurde das Unternehmen weiterentwickelt. Zu den prägenden Stationen ihres unternehmerischen Wirkens zählten der Bau eines neuen Kieswerks am Binsfeld und die Gründung eines Betonwerks.
Ein weiterer Schwerpunkt ihres Lebens war der Sport. In jungen Jahren war Margarete Boiselle-Vogler erfolgreiche Leichtathletin und strebte zeitweise eine Teilnahme an den Olympischen Spielen an. Später fühlte sie sich besonders dem Tennisclub Weiß-Rot Speyer verbunden, der einen Tennisplatz im Schützengarten nach ihr benannte. Zudem engagierte sie sich in zahlreichen Vereinen und war über Jahrzehnte bei Veranstaltungen und im gesellschaftlichen Leben der Stadt präsent.
Bis ins hohe Alter habe sie sich ihre Tatkraft und ihre Freude am Leben in Speyer bewahrt, heißt es in der Mitteilung. Auch in den letzten Jahren, als sie auf einen Rollstuhl angewiesen war, blieb sie dem öffentlichen Leben ihrer Heimatstadt verbunden.
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler würdigte Boiselle-Vogler als Vertreterin einer Generation von Frauen, die sich ihren Platz in Politik und Gesellschaft erst erkämpfen mussten. Die Stadt Speyer will sie als engagierte Stadträtin, mutige Unternehmerin, überzeugte Sozialdemokratin und außergewöhnliche Speyererin in dankbarer Erinnerung behalten.
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