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Umwelt

Ludwigshafen entsiegelt vier Innenstadt-Plätze und schafft neue Klimabeständigkeit

Rund 3,8 Millionen Euro für Begrünung, Verschattung und Trinkwasserangebote – Arbeiten starten ab September

Von Redaktion Ludwigshafen am Rhein07.09.26, 15:58

Ludwigshafen will in den kommenden Monaten mehrere öffentliche Plätze in der Innenstadt entsiegeln und neu gestalten. Ziel der Maßnahmen ist es nach Angaben der Stadt, Hitze und Klimastress entgegenzuwirken und die Aufenthaltsqualität an sehr heißen Tagen zu verbessern.

Oberbürgermeister Prof. Dr. Klaus Blettner verwies auf die Hitze dieses Sommers und bezeichnete die Anpassung an die klimatischen Veränderungen als verwaltungsübergreifende und kontinuierliche Aufgabe. Grundlage sei das Klimaanpassungskonzept, das der Stadtrat im Juni 2025 einstimmig beschlossen habe. Die Stadt nutze vorhandene Fördermöglichkeiten konsequent und priorisiere Investitionen sinnvoll, um die Innenstadt widerstandsfähiger zu machen.

Arbeiten beginnen im September

Bereits im September starten die Arbeiten an vier zentralen Plätzen in der Innenstadt. Vorgesehen sind Entsiegelung, Begrünung, Verschattung und zusätzliche Trinkwasserangebote.

Theaterplatz

Auf dem Theaterplatz werden rund 400 Quadratmeter von Steinen befreit. Der Randbereich wird bepflanzt. In der Mitte sollen der technisch modernisierte Brunnen an der Pfalzsäule sowie eine überschirmte Verschattung mit Sitzmöglichkeiten für Abkühlung sorgen. Zudem ist ein Trinkwasserbrunnen vorgesehen.

Hans-Klüber-Platz

Auch der Hans-Klüber-Platz wird umgestaltet. Dort werden rund 400 Quadratmeter entsiegelt, 20 Bäume gepflanzt und dauerhafte Staudenbeete angelegt. Für zusätzliche Kühlung soll ein Regenwassersystem sorgen, bei dem Dachflächenwasser in einer unterirdischen Zisterne gesammelt und vor Ort zur Bewässerung genutzt wird. Auch hier wird ein Trinkbrunnen installiert.

Der Platz ist laut Mitteilung bereits seit über zehn Jahren durch den hack-museumsgARTen des Wilhelm-Hack-Museums geprägt, der als grüne Oase und Begegnungsort dient.

Karl-Kornmann-Platz

Der Karl-Kornmann-Platz soll schattiger und kühler werden, seine Funktion direkt am Kulturzentrum „dasHaus“ aber behalten. Begrünungen sind vor allem in den Randbereichen und an der Gebäudefassade vorgesehen. Zusätzlich soll es einen Trinkwasserbrunnen sowie Platz zum Verweilen und zur Begegnung geben.

Bürgerhof

Für den Bürgerhof plant die Stadt eine besondere Verschattungslösung. Wegen der unter dem Platz liegenden Tiefgarage sind dort nur begrenzt Lasten möglich und tief wurzelnde Bäume nicht umsetzbar. Deshalb soll ein filigranes Dach aus einem Edelstahl-Raumnetz entstehen, das sich auf Stahlträgerbögen spannt. Die Träger münden in etwa vier Meter hohen, skulpturalen Stahlvasen, die mit Bewässerungstechnik, Wassertank und viel Baumsubstrat ausgestattet sind. In diese Strukturen sollen Bäume und Kletterpflanzen hineinwachsen und natürlichen Blattschatten sowie ein grünes Dach bilden.

Eine integrierte Photovoltaik-Anlage soll die Beleuchtungstechnik versorgen. Der neue Ort soll damit auch bei Dunkelheit nutzbar und atmosphärisch bleiben.

Kosten und Förderung

Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt teilte mit, dass die Stadt bei allen Vorhaben individuelle Lösungen entwickelt habe. Insgesamt investiert Ludwigshafen allein in die vier genannten Plätze rund 3,8 Millionen Euro. Die Maßnahmen würden zu hundert Prozent gefördert, unter anderem im Rahmen des Kommunalen Investitionsprogramms Klimaschutz und Innovation (KIPKI) des Landes Rheinland-Pfalz.

Nach Angaben der Stadt soll der größte Teil der Arbeiten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Weitere Maßnahmen in der Stadt

Darüber hinaus soll perspektivisch auch der Friedrich-Wilhelm-Wagner-Platz im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) aufgewertet werden. Für den Innenhof des Bürgermeister-Reichert-Hauses sind Sanierung, Wasserspiele, Bepflanzung, Mobiliar und ein Trinkbrunnen vorgesehen.

Im Hemshof ist der Spielplatz Welser-/Blücherstraße bereits mit Bäumen, Trinkwasserbrunnen und neuen Spielgeräten ausgestattet und steht kurz vor der Fertigstellung.

Nach der Umgestaltung des Schulhofs im Schulzentrum Mundenheim stehen nach Angaben der Stadt aktuell die Aufwertung der Schulhöfe der Albert-Schweitzer-Schule, der Erich Kästner Schule und der Langgewannschule an. In den kommenden Jahren sollen außerdem Flächen entsiegelt und Bäume gepflanzt werden an der Niederfeldschule, der Hochfeldschule, der Lessingschule, der Grundschule in der Pfingstweide, der Goethe-Mozart-Schule und der Rupprechtschule.

Auch die Planungen für die Wiedervernässung des Maudacher Bruchs sind gestartet. Dabei geht es laut Mitteilung um die Wiederherstellung eines Niedermoors mitten in der Stadt mit positiven Auswirkungen auf Klima und Wasserhaushalt.

Unter der Überschrift „Ludwigsbäume“ will Ludwigshafen in den kommenden Jahren allein 1,37 Millionen Euro in die Entsiegelung von Flächen und das Anpflanzen klimaresilienter Bäume investieren. Für die Nördliche Innenstadt, die Südliche Innenstadt und Ruchheim seien bereits gemeinsam mit den Ortsbeiräten Standorte abgestimmt worden. Parallel dazu sollen in den Außenbereichen Streuobst, Hecken und Sträucher gepflanzt werden. Diese drei Maßnahmen fördert nach Angaben der Stadt das Bundesumweltministerium im „Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz“. Insgesamt werden dafür mit Bundesmitteln rund 4,5 Millionen Euro in Klimaanpassung und Klimaschutz investiert.

Oberbürgermeister Blettner betonte abschließend, die Stadt werde nicht von heute auf morgen hitzefest, könne aber jetzt die Weichen für die kommenden zehn oder zwanzig Jahre stellen. Klimaanpassung und Klimaschutz seien eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

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