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Wildschweine im Stadtgebiet: Stadt appelliert an Eigentümer und regelt Einsätze im Wohnbereich

Die zunehmende Präsenz in waldnahen Bereichen führt zu rechtlich und sicherheitsbedingt eingeschränkten Abschussmaßnahmen – gefordert sind vor allem vorbeugende Maßnahmen wie das Vermeiden von Nahrungsquellen und gesicherte Lagerung von Grün- und Gartenabfällen.

Von Redaktion Lahnstein02.09.26, 07:49

Lahnstein informiert über die zunehmende Präsenz von Wildschweinen im Stadtgebiet und erklärt, warum die Tiere besonders häufig waldnahe Wohngebiete aufsuchen. Zugleich weist die Stadt darauf hin, dass Maßnahmen gegen Schwarzwild in bebauten Bereichen rechtliche und sicherheitsbedingte Grenzen haben.

Warum Wildschweine näher an Wohngebiete heranrücken

Dass Wildschweine in Lahnstein immer wieder bis in die Nähe von Häusern gelangen, hat nach Angaben der Stadt mehrere Ursachen. Milde Winter ohne längere Frost- und Schneeperioden verbessern die Überlebenschancen der Frischlinge. Hinzu kommen gute Ernährungsbedingungen, insbesondere in sogenannten Mastjahren, in denen Eichen und Buchen große Mengen an Eicheln und Bucheckern tragen.

Auch die Fortpflanzung spielt eine Rolle. Ein Wurf umfasst durchschnittlich mehr als sechs Frischlinge. Unter günstigen Bedingungen kann die Population daher innerhalb kurzer Zeit stark wachsen.

Wohngebiete bieten Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten

Waldnahe Wohngebiete sind für Wildschweine attraktiv, weil sie dort leicht zugängliche Nahrung finden können. Dazu zählen nach Angaben der Stadt etwa Komposthaufen oder Flächen unter Rasen, in denen die Tiere nach Würmern, Insekten und anderen Nahrungsquellen suchen. Auch verwilderte oder nicht eingezäunte Grundstücke können als Rückzugsorte dienen.

Die Stadt betont deshalb die Mithilfe der Grundstückseigentümer. Nahrungsquellen sollten vermieden und Grün- sowie Gartenabfälle nicht frei zugänglich gelagert werden. Einen wirksamen Schutz bietet insbesondere eine stabile Einzäunung, die bei Schwarzwild so beschaffen sein muss, dass die Tiere den Zaun nicht hochheben oder untergraben können.

Grenzen der Bejagung im Wohngebiet

Auf die Frage, warum die Tiere im Wohngebiet nicht einfach abgeschossen werden, verweist die Stadt auf die Sicherheit. Bebaute Siedlungsbereiche zählen in der Regel zu den sogenannten „befriedeten Bezirken“, in denen grundsätzlich Jagdverbot herrscht. Hintergrund ist die Gefahr, die von einer Schussabgabe in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern, Straßen, Spaziergängern und Haustieren ausgeht.

Ein erfahrener Jäger darf daher nicht ohne Weiteres auf ein Wildschwein schießen, nur weil es sich in einem Garten oder Wohngebiet aufhält. Unter anderem muss ein sicherer Kugelfang gewährleistet sein. Der Schutz von Menschen hat dabei Vorrang vor möglichen Sachschäden an Gärten, Rasenflächen oder Beeten.

Außerhalb bebauter Bereiche wird Schwarzwild nach Angaben der Stadt intensiv bejagt. Im Jagdjahr 2023/24 wurden in Rheinland-Pfalz rund 61.600 Stück Schwarzwild erlegt. Zudem wurden Schonzeiten aufgehoben, sodass Schwarzwild unter Beachtung der tierschutzrechtlichen Vorgaben grundsätzlich ganzjährig bejagt werden kann. Jagdbehörden, Jägerschaft, Forst- und Landwirtschaft sowie Veterinärbehörden befassen sich regelmäßig gemeinsam mit der Entwicklung der Bestände und mit Gegenmaßnahmen.

Besondere Lage in Niederlahnstein

Ein Schwerpunkt des Wildschweinaufkommens liegt nach Darstellung der Stadt in Niederlahnstein. Zwischen dem Unteren Lagweg und der Rittersturz-Kaserne gibt es zahlreiche private Gartenflächen. Einige davon sind nicht eingezäunt oder verwildert und bieten den Tieren gute Rückzugs- und Deckungsmöglichkeiten.

Zugleich liegt das Gebiet in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung und damit in einem Bereich, in dem die Jagd grundsätzlich nicht ausgeübt werden darf. Für den zuständigen Jagdpächter besteht zwar eine Ausnahmegenehmigung zur Erlegung von Schwarzwild. Ein Abschuss ist aufgrund der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen und des erforderlichen Kugelfangs aber nur unter geeigneten Bedingungen möglich.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Niederlahnsteiner Stadtwald stark von Spaziergängern und Erholungssuchenden genutzt wird. Dieser Besucherdruck schränkt die Möglichkeiten der Jagd zusätzlich ein. Außerdem lernen Wildschweine schnell und meiden nach einem Abschuss entsprechende Stellen häufig für längere Zeit.

Maßnahmen der Stadt und der Jägerschaft

Ein Patentrezept gibt es nach Angaben der Stadt nicht. Deshalb setzen Stadt Lahnstein, Jagdpächter und weitere Behörden auf verschiedene Maßnahmen. Jährlich finden Bewegungsjagden statt, um die Wildschweinbestände zu reduzieren. Für siedlungsnahe Bereiche werden, soweit möglich und vertretbar, Sondergenehmigungen zur Bejagung erwirkt.

Auch die Pflege städtischer Flächen spielt eine Rolle. Durch Pflegemaßnahmen auf Grünflächen in der Nähe von Wohnhäusern sollen Rückzugs- und Deckungsmöglichkeiten reduziert werden, damit siedlungsnahe Bereiche für Wildschweine weniger attraktiv sind.

Entscheidend ist aus Sicht der Stadt das Zusammenspiel mehrerer Ansätze: konsequente Bejagung dort, wo sie sicher möglich ist, Pflege siedlungsnaher Flächen und die Mithilfe der Grundstückseigentümer, indem Nahrungsquellen und Rückzugsmöglichkeiten möglichst vermieden werden.

Verhalten bei einer Begegnung

Wer einem Wildschwein begegnet, soll vor allem Ruhe bewahren. Die Tiere können sehr gut riechen, sehen aber vergleichsweise schlecht und nehmen Menschen deshalb unter Umständen erst auf kurze Entfernung wahr. In der Regel versuchen Wildschweine, einer Begegnung auszuweichen.

Die Stadt rät dazu, nicht wegzulaufen, sondern sich bemerkbar zu machen und langsam zurückzuziehen. Wichtig ist außerdem, dem Tier immer einen Fluchtweg offenzuhalten. Wildschweine sollten keinesfalls in eine Ecke oder einen geschlossenen Bereich gedrängt werden. Hunde sollten bei einer Begegnung unbedingt an der Leine gehalten werden.

Weitere Informationen und Hinweise zum Umgang mit Wildschweinen im Wohngebiet gibt es unter www.lahnstein.de/wildschweine.

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Wildschweine im Stadtgebiet: Stadt appelliert an Eigentümer und regelt Einsätze im Wohnbereich
Wildschweine im Stadtgebiet: Stadt appelliert an Eigentümer und regelt Einsätze im WohnbereichFoto: lahnstein.de

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