Speyer wertet Hitzewelle aus und entwickelt Hitzeschutz weiter
Ein runder Tisch bringt Krankenhäuser, Rettungsdienste und weitere Beteiligte zusammen, um Erfahrungen aus der Belastungssituation zu nutzen.
Die Stadt Speyer will ihre Erfahrungen aus der jüngsten Hitzewelle auswerten und den Hitzeschutz weiterentwickeln. Dafür hat der Brand- und Katastrophenschutz einen Runden Tisch mit Krankenhäusern, Rettungsdiensten und weiteren beteiligten Akteuren eingerichtet. Hintergrund sind die Belastungen, die extreme Hitze mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad über mehrere Tage und kaum abkühlenden Nächten für Gefahrenabwehr und Gesundheitswesen mit sich bringen kann.
In einer dreiteiligen Interviewreihe erläutert Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Peter Eymann, was die extreme Hitze im Einsatzgeschehen gezeigt hat, wie sich die Stadt organisatorisch darauf vorbereitet und welche konkreten Maßnahmen daraus entstehen sollen. Zum Auftakt geht es um die unmittelbaren Erfahrungen der vergangenen Hitzewelle.
Mehr Einsätze und besondere Brände
Aus Sicht des Brand- und Katastrophenschutzes habe es während der Hitzephase mehr Einsätze gegeben, die auf die Wetterbedingungen zurückzuführen gewesen seien, sagte Eymann. Besonders betroffen gewesen seien Vegetationsbrände. In Speyer habe es dabei glücklicherweise meist nur kleinere Brände gegeben, die früh gemeldet worden und gut unter Kontrolle gewesen seien.
Eine Ausnahme sei ein Lkw-Brand auf der A61 gewesen. Für Einsätze zwischen dem Autobahnkreuz Speyer und der Anschlussstelle Schifferstadt werde gemeinsam mit der Feuerwehr Schifferstadt alarmiert, so Eymann. Der betroffene Lkw habe eine Panne gehabt und rechts anhalten müssen. Durch heiße Teile unter dem Fahrzeug, darunter Auspuff und andere Komponenten, sei das Gras am Straßenrand entzündet worden. Aus einer zunächst gemeldeten Fläche von vier mal vier Metern Grasbrand habe sich der Brand durch starke Winde bis an die Waldgrenze ausgebreitet. Auch Bäume und Gebüsche hätten Feuer gefangen, am Ende seien 300 Quadratmeter Wald betroffen gewesen. Eymann betonte, wie schnell sich Feuer bei trockener Vegetation ausbreiten könne.
Trockenheit zeigt sich auch in Gullis und Sinkkästen
Nach Angaben des Brand- und Katastrophenschutzes habe sich die Trockenheit auch an anderer Stelle bemerkbar gemacht. Ungewöhnlich gewesen sei eine Vielzahl von brennenden Gullis und Sinkkästen. In diese werde Laub geweht, das bei anhaltender Trockenheit so stark ausgetrocknet sei, dass bereits eine Zigarette genüge, um ein Feuer auszulösen. Solche Meldungen habe es über mehrere Wochen hinweg mehrfach gegeben.
Belastung für Krankenhäuser und städtische Strukturen
Die Hitze habe auch Krankenhäuser vor Herausforderungen gestellt. Eymann berichtete von einer außergewöhnlichen Anfrage aus einem Speyerer Krankenhaus, ob die Feuerwehr eine maschinelle Belüftung mit Überdruck zur Senkung der Temperaturen leisten könne, wie sie zuvor im Krankenhaus Neustadt eingesetzt worden sei. Die Stadt habe dies bejaht und die möglichen Stufen erläutert. Letztlich sei der Einsatz aber nicht erforderlich gewesen.
Im Austausch mit beiden Krankenhäusern sei deutlich geworden, dass sie in dieser Zeit stark betroffen gewesen seien und mit vielen Einsätzen an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen seien.
Auch über das Gesundheitswesen hinaus habe die Hitze Folgen gehabt. Eymann schilderte eine hitzebedingte Nacht mit einem Stromausfall im Bereich Speyer-West. Die Dienstgruppe C des Kommunalen Vollzugsdienstes habe dort im Bereich Theodor-Heuss-Straße und Dudenhofer Straße unterstützt, nachdem ein Umspannwerk beziehungsweise eine Trafostation betroffen gewesen sei. Zwei Mitarbeitende seien vor Ort gewesen und hätten sich in einer angespannten Situation wiederholt aggressiven Ansprachen ausgesetzt gesehen. Sie hätten sich unsicher gefühlt und versucht, die Lage gemeinsam zu beruhigen.
Hitzeschutz als gemeinsame Aufgabe
Nach Einschätzung des Brand- und Katastrophenschutzes war die jüngste Hitzewelle in dieser Form in Speyer das erste Mal so extrem. Ein markanter Satz von Klimaschutzmanager Christoph Ritter, den Eymann aufgreift, lautet: Der Sommer 2026 werde der kühlste Sommer sein, an den sich die Kinder später erinnern werden. Für die kommenden Jahre sei daher mit noch höheren Temperaturen zu rechnen.
Besonders belastend sei die erste Phase der Hitzewelle gewesen, als mehrere Tage um die 40 Grad erreicht worden seien. Auf diese Situation sei die Bevölkerung offenbar nicht ausreichend vorbereitet gewesen. In den folgenden heißen Tagen und Wochen hätten sich viele Menschen besser eingestellt, etwa mit Getränken zu Hause. Notfälle habe es zwar weiter gegeben, aber nicht mehr in derselben Zuspitzung wie zu Beginn.
Aus Sicht der Krankenhäuser werde es in den kommenden Jahren vermutlich immer wieder diese erste, besonders belastende Hitzewelle geben. Genau diese gelte es abzuflachen, heißt es in der Mitteilung. Die Stadt Speyer will die Erfahrungen daher zum Anlass nehmen, den Hitzeschutz genauer in den Blick zu nehmen und die organisatorischen Abläufe weiterzuentwickeln.
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