Speyer verurteilt Drohung gegen Synagoge Beith-Shalom

Bei der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz ist am Freitag, 16. Oktober 2026, ein Drohschreiben eingegangen. Darin drohte ein bislang unbekannter Verfasser, die Synagoge Beith-Shalom in die Luft zu sprengen. Das Schreiben enthielt antisemitische Äußerungen und eine unbekannte weiße Substanz, die das Landeskriminalamt als ungefährlich einstufte. Die Kriminalpolizei Ludwigshafen ermittelt weiter.
Die Stadt Speyer verurteilt die Drohung aufs Schärfste. Sie wertet sie als gezielten Einschüchterungsversuch gegen die jüdische Gemeinde und als Angriff auf das friedliche Zusammenleben in der Stadt. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler telefonierte mit Marina Nikiforova, der Geschäftsführerin der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, und sicherte ihr die Solidarität und Unterstützung der Stadt zu.
„Eine Drohung gegen unsere jüdische Gemeinde ist keine bloße Provokation. Sie richtet sich gegen Menschen, die ihren Glauben leben, und gegen ihr Recht, dies ohne Angst tun zu können. Ich habe Marina Nikiforova versichert, dass die Stadt Speyer fest an der Seite der jüdischen Gemeinde steht. Wir sehen es als unsere Verantwortung, jüdisches Leben zu schützen und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten“, erklärt Seiler.
Die Synagoge Beith-Shalom steht seit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober 2019 bei Gottesdiensten und Veranstaltungen unter Polizeischutz. Die Stadt betont, dass dieser Schutz notwendig sei, der Zustand besonderer Schutzbedürftigkeit jüdischer Menschen dadurch aber nicht zur Normalität werden dürfe. Ziel müsse sein, dass sie ihren Glauben frei und ohne Bedrohung leben können.
Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) dokumentierte für 2025 bundesweit 8.725 antisemitische Vorfälle, durchschnittlich fast 24 pro Tag. Die Zahl lag mehr als dreimal so hoch wie 2022; erfasst wurden unter anderem Angriffe und Bedrohungen. Seit dem 7. Oktober 2023 bleibe das antisemitische Vorfallgeschehen auf alarmierend hohem Niveau, teilt die Stadt mit. Die Drohung zeige, dass Speyer davon unmittelbar betroffen ist.
Speyer gehört gemeinsam mit Mainz und Worms zu den SchUM-Stätten, deren jüdisches Erbe zum UNESCO-Welterbe zählt. Daraus erwachse eine besondere Verantwortung, jüdisches Leben in der Gegenwart zu schützen und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten, erklärt die Stadt. Das Erbe zu bewahren bedeute auch, für die jüdischen Menschen einzustehen, die das Leben der Stadt heute mitgestalten.
Die Stadt dankte den beteiligten Einsatzkräften, unterstützt die Aufklärung des Vorfalls und will den Austausch mit der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz fortsetzen. „Jüdische Gemeinden müssen ihren Glauben leben und ihre Traditionen pflegen können, ohne bedroht oder eingeschüchtert zu werden. Der Schutz jüdischen Lebens ist keine Aufgabe, die allein bei der Polizei oder den Betroffenen liegt. Er ist eine Verantwortung der gesamten Gesellschaft. Dazu gehört, Antisemitismus frühzeitig zu widersprechen, Betroffene nicht allein zu lassen und aus unserer Geschichte Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen“, so Seiler.
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