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Politik

Speyer trauert um Margarete Boiselle-Vogler

Ehemalige Stadträtin prägte das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Stadt und setzte sich besonders für die Gleichberechtigung von Frauen ein.

Von Redaktion Speyer09.09.26, 14:33

Die Stadt Speyer trauert um die ehemalige Stadträtin Margarete Boiselle-Vogler. Sie ist am 6. September 2026 im Alter von 104 Jahren gestorben. Die Stadt würdigt sie als außergewöhnliche Persönlichkeit, die das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben ihrer Heimatstadt über viele Jahrzehnte mitgeprägt hat.

Margarete Boiselle-Vogler wurde am 5. Juni 1922 in der Armbruststraße in Speyer auf dem Voglerhof geboren. Ihre enge Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt begleitete sie ihr ganzes Leben lang. Noch im Juni dieses Jahres konnte sie ihren 104. Geburtstag feiern.

Politisch trat sie 1953 der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei. Sie leitete den SPD-Ortsverein Nord sowie die Arbeitsgemeinschaft der SPD-Frauen und setzte sich insbesondere für die Gleichberechtigung und die gesellschaftliche Teilhabe von Frauen ein.

1964 zog sie erstmals in den Speyerer Stadtrat ein. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie zehnmal wiedergewählt und gehörte dem Gremium insgesamt fünf Jahrzehnte an. Sie wirkte in zahlreichen Ausschüssen und Gremien mit, unter anderem im Kultur- sowie im Bau- und Planungsausschuss. Nach ihrer langen kommunalpolitischen Tätigkeit wurde sie 2014 aus dem Stadtrat verabschiedet.

Die Stadt hebt hervor, dass Margarete Boiselle-Vogler in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus war. Als erste Frau im Bauausschuss und im Aufsichtsrat der GEWO bewegte sie sich in Bereichen, die in den 1950er- und 1960er-Jahren noch weitgehend von Männern geprägt waren.

Auch beruflich übernahm sie früh Verantwortung. Seit 1951 war sie Geschäftsführerin der aus dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie hervorgegangenen Kiesbaggerei Vogler. Unter ihrer Leitung wurde das Unternehmen weiterentwickelt. Der Bau eines neuen Kieswerks am Binsfeld und die Gründung eines Betonwerks gehörten zu den prägenden Stationen ihres unternehmerischen Wirkens.

Eine weitere große Leidenschaft war der Sport. In jungen Jahren war Margarete Boiselle-Vogler erfolgreiche Leichtathletin und strebte zeitweise sogar eine Teilnahme an den Olympischen Spielen an. Später galt ihre besondere Verbundenheit dem Tennisclub Weiß-Rot Speyer, der einen Tennisplatz im Schützengarten nach ihr benannte. Darüber hinaus engagierte sie sich in zahlreichen Vereinen und war über Jahrzehnte bei Veranstaltungen und im gesellschaftlichen Leben der Stadt präsent.

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler würdigte Boiselle-Vogler als Frau einer Generation, die sich ihren Platz in Politik und Gesellschaft erst erkämpfen musste. Die Stadt Speyer werde sie als engagierte Stadträtin, mutige Unternehmerin, überzeugte Sozialdemokratin und außergewöhnliche Speyererin in dankbarer Erinnerung behalten.

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