Speyer richtet Runden Tisch für Hitzeschutz ein

Speyer bereitet sich auf extreme Hitze vor: Begehungen in Kitas, Anpassung des Alarmplans und konkrete Schritte für den Hitzeschutz.

Von Redaktion Speyer3 Min. Lesezeit

Extreme Hitze kann nach Angaben der Stadt Speyer nicht nur für Menschen belastend sein, sondern auch die Gefahrenabwehr vor zusätzliche Aufgaben stellen. Wenn die Temperaturen über Tage deutlich über 30 Grad steigen und sich die Nächte kaum abkühlen, müssten Rettungsdienst, Feuerwehr, Krankenhäuser und weitere Akteure zugleich mehr hitzebedingte Notfälle bewältigen und ihre regulären Aufgaben erfüllen.

Vor diesem Hintergrund stellt die Stadt die Frage, wie gut sie auf solche Wetterlagen vorbereitet ist und wo bestehende Strukturen an ihre Grenzen kommen. Um die Erfahrungen auszuwerten und den Hitzeschutz weiterzuentwickeln, hat der Brand- und Katastrophenschutz einen Runden Tisch mit Krankenhäusern, Rettungsdiensten und weiteren beteiligten Akteuren eingerichtet.

Begleitend dazu läuft eine dreiteilige Interviewreihe mit Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Peter Eymann. Im dritten und abschließenden Teil geht es um die konkreten Konsequenzen aus den Erfahrungen dieses Sommers. Im Mittelpunkt steht die Frage, wo Speyer jetzt handeln muss, welche Maßnahmen kurzfristig möglich sind und wie die Stadt ihre Einrichtungen langfristig hitzeresilienter machen kann.

Stadt setzt auf konkrete Schritte in städtischen Einrichtungen

Eymann verweist darauf, dass der Brand- und Katastrophenschutz als Teil der Gefahrenabwehr eine Strategie brauche, was wo zuerst zu tun sei. Diese Fragen seien im Alarm- und Einsatzplan Hitze festgehalten. Bauliche Maßnahmen müssten von Fachbereich 5 umgesetzt werden, man stehe dazu im Austausch.

Auf private Haushalte könne die Stadt nicht unmittelbar einwirken. Dort setze sie auf Appelle, Aufrufe und Öffentlichkeitsarbeit. Handlungsbedarf sieht die Stadt aber vor allem in eigenen Einrichtungen, etwa in den Kindertagesstätten. Eymann betont, dass Kinder ebenso vulnerabel seien wie ältere Menschen und schlecht mit Temperaturschwankungen umgehen könnten. Mehrere Kitas seien bereits in den Notbetrieb gegangen, was Familien stark belaste.

Deshalb sollen noch in diesem Jahr Begehungen aller städtischen Kindertagesstätten beginnen. Dabei soll geprüft werden, was im kommenden Jahr, in fünf Jahren und in zehn Jahren möglich ist. Die Begehungen haben nach Angaben der Stadt höchste Priorität und laufen jetzt an.

Maßnahmen mit unterschiedlichen Zeithorizonten

Bei den Begehungen soll eine interdisziplinäre Expertengruppe zusammenkommen. Ziel ist es, sowohl kurzfristig umsetzbare als auch langfristige Maßnahmen zu identifizieren. Als Beispiel nennt die Stadt natürliche Beschattung durch Bäume. Da ein neu gepflanzter Baum erst nach vielen Jahren wirksam werde, seien interimistische Lösungen nötig. Dazu zählten etwa Sonnensegel, die die Beschattung draußen verbessern und die Räume perspektivisch um zwei bis drei Grad herunterkühlen könnten, weil die Sonne nicht mehr direkt auf die Scheiben treffe.

Auch für die Innenräume und für die Beschäftigten müsse eine Lösung gefunden werden. Aus Sicht des Arbeitsschutzes reiche es nicht, nur über die Kinder nachzudenken. Mobile Klimageräte hätten sich wegen der Filterkapazitäten nicht bewährt. Deshalb brauche es nach Einschätzung der Stadt eine geeignete Klimatisierungslösung mit passendem Filter, damit Bakterien sowie Husten und Schnupfen nicht ständig umgewälzt würden.

Aus den Begehungen sollen Maßnahmen hervorgehen, die teils schon im nächsten Jahr beginnen können, teils erst in fünf Jahren greifen und teils erst in zehn Jahren ihre volle Wirkung entfalten. Hitzeschutz werde damit zu einer dauerhaften Aufgabe für die Stadt und ihre Einrichtungen.

Folgen auch für den Haushalt

Die Umsetzung der Maßnahmen wird nach Angaben der Stadt Geld kosten. Zusätzliche Mittel stünden dafür nicht automatisch zur Verfügung. Wenn Speyer in Klimaanpassung investiere, fehle dieses Geld an anderer Stelle, etwa im kulturellen Bereich oder bei Bauprojekten. Über die Prioritäten müsse deshalb im Rahmen des städtischen Haushalts entschieden werden.

Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Information der Bevölkerung. Die Stadt verweist darauf, dass der Deutsche Wetterdienst mit seinen Hitzewarnstufen ein verlässlicher Orientierungspunkt sei. Ziel sei es, frühzeitig zu warnen und konkrete Hinweise zu geben, etwa viel zu trinken, die heiße Tageszeit möglichst nicht im Freien zu verbringen und Sonnenschutz zu beachten. So könne das Gesundheitssystem präventiv entlastet werden.

Nach Einschätzung der Stadt endet Hitzeschutz nicht bei der Gefahrenabwehr. Mit dem Runden Tisch, den geplanten Begehungen der Kindertagesstätten und der Weiterentwicklung des Alarm- und Einsatzplans seien erste Schritte angestoßen worden. Welche Maßnahmen daraus konkret entstehen, soll sich in den kommenden Jahren zeigen.

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