Kinderrechtepfad in Speyer-West: Stadt und Deutsches Kinderhilfswerk planen einen neuen Lernpfad
Ein didaktisch-spielerisches Konzept mit mehreren Stationen soll kinderrechtliche Grundsatzthemen für Kinder und Erwachsene zugänglich machen.
Die Stadt Speyer und das Deutsche Kinderhilfswerk haben eine gemeinsame Vereinbarung zur Errichtung eines „Kinderrechtepfads“ unterzeichnet. Der Pfad soll voraussichtlich im Sommer 2027 in Speyer-West eröffnet werden und Kindern sowie Erwachsenen einen Zugang zu kinderrechtlichen Grundsatzthemen bieten. Nach Angaben der Beteiligten soll das Angebot optisch ansprechend, didaktisch versiert, spielerisch und lebensraumnah gestaltet werden.
Das Konzept orientiert sich an bekannten „Trimm-dich-Pfaden“. Spazierende treffen dabei auf im öffentlichen Raum installierte Schilder und finden dort raumbezogene, erlebnisorientierte Informations- und Spielangebote zu Kinderrechten. Ausgewählte Kommunen können den Kinderrechtepfad laut Mitteilung kostenfrei beim Deutschen Kinderhilfswerk beziehen.
„Für die praktische Durchsetzung von Kinderrechten muss sich die Grundhaltung Kindern gegenüber ändern. Wir brauchen die gesamte Gesellschaft, damit Deutschland ein kinderfreundliches Land wird. Kinder sind nicht einfach nur unsere Zukunft, sondern vor allem sind sie ein existenzieller Bestandteil des Hier und Jetzt. Mit dem ‚Kinderrechtepfad‘ möchten wir gemeinsam mit der Stadt Speyer den Blick für die Kinderrechte schärfen und für die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention werben“, sagte Kai Hanke, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler betonte, eine familienfreundliche Stadt zeichne sich auch dadurch aus, dass Kinder und Jugendliche im öffentlichen Raum mit ihren Bedürfnissen und Perspektiven selbstverständlich mitgedacht werden. Der Kinderrechtepfad mache Kinderrechte sichtbar, lade zum gemeinsamen Entdecken und Lernen ein und schaffe einen niedrigschwelligen Zugang zu dem Thema. Beteiligung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen seien für Speyer ein wichtiger Bestandteil und spielten auch bei der Umsetzung des Projekts eine entscheidende Rolle.
Die einzelnen Stationen sollen ansprechend und mit Wiedererkennungswert gestaltet und fest im öffentlichen Raum installiert werden, etwa auf Spielplätzen oder in der Nähe bedeutender Einrichtungen in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. So soll ein dauerhafter Zugang zu den Lerninhalten entstehen, der jederzeit mit Kindern besucht und vor allem sinnlich erlebt werden kann. Zugleich soll das Draußen-Sein pädagogisch aufgewertet werden. Kommunen hätten damit die Möglichkeit, ein besonderes Zeichen für Kinder zu setzen.
Jeder Pfad besteht aus mehreren Schildern, die sich auf das Gesamtthema Kinderrechte beziehen. An jeder Station bieten die von Teresa Linke entworfenen Schilder eine kurze Einführung und ein Lernangebot zu kinderrechtlichen Fragen. Der Spaß steht dabei im Vordergrund. Zugleich werden Kinder vom Kleinkindalter bis zur Grundschule vor kleinere oder größere Herausforderungen gestellt. Durch das breite Schwierigkeitsspektrum sollen Kinder bestärkende Erfolgserlebnisse verbuchen können. Die Aufgaben fordern Motorik, Sinneswahrnehmung, Erinnerungsvermögen, Fantasie, Kreativität, Achtsamkeit, Empathie und Rücksichtnahme. Außerdem regen die Installationen dazu an, über die Ansprüche und Potenziale von Kinderrechten im kommunalen Alltag nachzudenken.
Die Wahl des Standorts Speyer-West sei bewusst getroffen worden: Auf der sogenannten „Grünen Mitte“ mache der „Platz der Kinderrechte“ bereits heute die Rechte von Kindern sichtbar und biete damit einen passenden Ausgangspunkt für den neuen Kinderrechtepfad. In unmittelbarer Nähe lade das Haus der Familie K.E.K.S. als Anlauf- und Begegnungsstätte junge Familien zum Austausch und zur gemeinsamen Zeit ein. Durch seine Kontakte zu Institutionen und Initiativen im Stadtteil sei das Haus zudem gut vernetzt. Der Kinderrechtepfad knüpfe an diese Strukturen an und bringe das Thema Kinderrechte in den Alltag dort, wo Kinder spielen, Familien sich begegnen und Kinder ihren Stadtteil erleben.
Bürgermeister Prof. Dr. Alexander Schubert erklärte, Kinderrechte dürften kein abstraktes Thema sein, das nur in Büchern oder im Unterricht stattfinde. Kinder sollten ihre Rechte kennen, sie erleben und erfahren, dass ihre Meinung zählt. Mit dem Kinderrechtepfad schaffe man mitten in Speyer-West ein Angebot, bei dem Kinder und Familien gemeinsam entdecken, spielen und lernen könnten. Dass der Standort an den bereits bestehenden „Platz der Kinderrechte“ und das Netzwerk rund um das Haus der Familie K.E.K.S. anknüpfen könne, mache ihn besonders wertvoll.
Das Deutsche Kinderhilfswerk
Das Deutsche Kinderhilfswerk e. V. setzt sich nach eigenen Angaben seit mehr als 50 Jahren für die Rechte von Kindern in Deutschland ein. Im Mittelpunkt stehen die Überwindung von Kinderarmut und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Angelegenheiten. Der gemeinnützige Verein finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden. Zudem unterstützt das Deutsche Kinderhilfswerk Maßnahmen und Projekte, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus fördern. Die politische Lobbyarbeit zielt auf die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland ab.
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