Ausbau der Kinderbetreuung in Alzey und Beschlüsse zum Klimaanpassungskonzept
Der Stadtrat Alzey hat in seiner Sitzung am Montag, 28. September 2026, mehrere zentrale Weichen gestellt. Im Mittelpunkt standen der Ausbau der Kinderbetreuung im Alzeyer Osten, Maßnahmen aus dem Klimaanpassungskonzept, die Zwischenbilanz des städtischen Haushalts sowie die Neubesetzung von Ausschüssen und Aufsichtsräten nach einer veränderten Fraktionsstärke.
Neue Kita im Alzeyer Osten beschlossen
Für den Ausbau der Kinderbetreuung hat der Stadtrat die nächsten Schritte auf den Weg gebracht. Geplant ist ein Neubau in den „Kurfürstenhöfen“ im Alzeyer Osten. Es handelt sich um ein Projekt der Alzeyer Baugesellschaft (ABG), in das sich die Stadt langfristig einmieten wird.
In dem vierstöckigen, modernen und altersgerechten Wohngebäude sollen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss eine sechsgruppige Kita entstehen. Vorgesehen sind kindgerechte Räume, ein Bereich für die Krippengruppen, ein eigener Außenspielbereich in Richtung Pfalzgrafenstraße sowie Begegnungsmöglichkeiten für Eltern. Darüber hinaus sind 30 Wohnungen für Seniorinnen und Senioren und ein Quartierscafé als Treffpunkt für alle Generationen geplant.
Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Fertigstellung für 2028. Danach soll auf Grundlage der dann aktuellen Bedarfszahlen geprüft werden, wie die bestehende Kita „Walter Zuber – Haus der Vielfalt“ saniert und bedarfsgerecht angepasst werden kann. Über das konkrete Vorgehen soll der Stadtrat im Frühjahr 2028 auf Grundlage der dann aktuellen Bedarfszahlen der Kreisverwaltung entscheiden.
Die früher diskutierten Standorte Hinter der Lokhalle und in der Weinheimer Straße werden zunächst nicht weiterverfolgt.
Als Hintergrund verweist die Stadt auf deutlich sinkende Geburtenzahlen. 2025 wurden im Stadtgebiet noch 169 Kinder geboren, für das laufende Jahr liegen bislang 91 Geburten vor. Dem stehen Zuzug und allgemeines Stadtwachstum, auch im Zusammenhang mit der IG-Ost-Erweiterung, gegenüber.
Bürgermeister Steffen Jung sagte dazu: „Es gilt, abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt und wie viele Kita-Plätze wir in den kommenden Jahren tatsächlich brauchen werden.“ Er ergänzte: „Die heute verabschiedete Maßnahme zur Anmietung neuer Räumlichkeiten ermöglicht es uns, die Entscheidung über die räumliche Ausgestaltung der Kita Walter Zuber - Haus der Vielfalt zum späteren Zeitpunkt zu treffen und dabei eine zeitgemäße Versorgung und Betreuung der Kinder sicherzustellen.“
Klimaanpassungskonzept mit Maßnahmen für Stadt und Umland
Auch beim Klimaschutz und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels hat der Stadtrat Beschlüsse gefasst. Das Integrierte Klimaanpassungskonzept des Landkreises Alzey-Worms wurde zustimmend zur Kenntnis genommen, der dazugehörige Maßnahmenkatalog für die Stadt Alzey wurde beschlossen.
Das Konzept ist gemeinsam vom Landkreis und allen kreisangehörigen Kommunen entwickelt und vom Kreistag im Juni 2026 verabschiedet worden. Seit dem 1. Juli 2026 läuft die dreijährige Umsetzungsphase. Die Maßnahmen werden zu 90 Prozent vom Bund gefördert. Die Gesamtkoordinierung übernimmt der Klimaanpassungsmanager des Landkreises, Guido Flock.
Für Alzey sind unter anderem folgende Maßnahmen vorgesehen: Im Stadtgebiet soll die Versiegelung von Flächen, wo möglich, weiter reduziert und mehr Grün geschaffen werden. Das soll bei Starkregen schützen und die Auswirkungen von Hitzewellen mildern. Im Umland geht es darum, Oberflächenwasser besser zurückzuhalten, um Überschwemmungen bei Starkregenereignissen vorzubeugen. Hinzu kommen Maßnahmen an öffentlichen Gebäuden, eine klimafreundlichere Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes und mehr Schatten entlang von Radwegen. Nach Angaben der Stadt stammen viele dieser Ideen direkt aus der Bevölkerung.
Der Stadtrat stimmte dem Konzept einstimmig zu.
Haushalt 2026: Fehlbetrag höher als geplant, Nachtrag aber derzeit nicht nötig
Mit dem Haushalt 2026 befasste sich der Stadtrat ebenfalls in der Sitzung. Nach dem Stand vom 30. Juni liegt das prognostizierte Jahresergebnis für dieses Jahr bei rund 3,5 Millionen Euro Fehlbetrag. Geplant war ursprünglich ein Minus von 2,3 Millionen Euro. Die Lücke hat sich damit um rund 1,2 Millionen Euro vergrößert.
Nach Angaben der Stadt sind vor allem die Gewerbesteuereinnahmen zurückgegangen, und zwar um 2,2 Millionen Euro gegenüber dem Plan. Auf der Ausgabenseite stehen spürbare Einsparungen, insbesondere bei Sachverständigen- und Planungsleistungen in Höhe von rund 815.000 Euro sowie bei der Gebäudeunterhaltung.
Für 2026 sind Investitionen in Höhe von rund 26,8 Millionen Euro vorgesehen. Bis zur Jahresmitte wurden davon rund 3 Millionen Euro abgerufen. Bis zum Jahresende rechnet die Verwaltung damit, rund 60 Prozent der eingeplanten Investitionsmittel zu nutzen. Verzögerungen gibt es unter anderem bei der Sanierung der Schlossgasse, der Tiefgarage sowie beim allgemeinen Grunderwerb.
Die Liquiditätskredite beliefen sich zum 30. Juni auf 16,9 Millionen Euro und lagen damit innerhalb des genehmigten Höchstbetrags von 20,1 Millionen Euro.
Ein Nachtragshaushalt ist nach aktuellem Stand nicht erforderlich. Als größte Risiken nennt die Stadtverwaltung schwankende Gewerbesteuervorauszahlungen, Kostensteigerungen bei Investitionen und mögliche Verzögerungen bei Fördermitteln. Gleichzeitig sieht die Stadt im Entwicklungspotenzial des Industriegebiets Ost eine Chance auf steigende Gewerbesteuereinnahmen.
Bürgermeister Steffen Jung sagte: „Dass 2026 und die folgenden Jahre finanziell herausfordernd werden, war abzusehen.“ Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass die Zeit der defizitären Haushalte bald vorbei sein werde und sich auch das Ergebnis für 2026 noch verbessere. Die Bundes- und Landespolitik seien gefordert, so Jung, weil steigende Aufgaben und die unzureichende finanzielle Ausstattung der Kommunen ihren Teil beitrügen.
Neue Fraktion verändert Sitzverhältnisse in Gremien
Verändert hat sich auch die politische Zusammensetzung des Stadtrats. Zwei bisherige Mitglieder der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen haben diese zum 31. August 2026 verlassen und bilden seitdem die neue Fraktion „Solidarisch vor Ort“. Dadurch verschieben sich Sitzverhältnisse in mehreren Ausschüssen und Aufsichtsräten, die der Stadtrat in seiner Sitzung neu bestimmt hat.
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