Alzey plant gebäudescharfen Fahrplan für treibhausgasneutrale Wärme
Die Stadt Alzey hat nach eigenen Angaben erstmals einen gebäudescharfen Fahrplan vorgelegt, wie sämtliche kommunalen Liegenschaften bis spätestens 2040 treibhausgasneutral und wirtschaftlich beheizt werden können. Klimaschutzmanager Marcel Klotz präsentierte dem Ausschuss für Bauen, Umwelt und Klimaschutz ein Konzept, das für alle städtischen Gebäude die Reihenfolge und den Investitionsrahmen für den Austausch fossiler Heizungen durch Wärmepumpen oder treibhausgasneutrale Wärmenetze festlegt.
Nach Kenntnis der Verwaltung ist bislang keine andere Kommune in Deutschland mit einem derart detaillierten und verbindlichen Plan für den vollständigen Heizungstausch ihres gesamten Gebäudebestands bekannt. Das Konzept soll künftig jährlich aktualisiert und dem Ausschuss als Grundlage für weitere Entscheidungen vorgelegt werden.
34 fossil beheizte Gebäude im Blick
Von rund 50 städtischen Liegenschaften werden derzeit 34 fossil beheizt, überwiegend mit Erdgas. 15 dieser 34 Heizungen sind nach Angaben der Stadt bereits 15 Jahre oder älter. Als Grundlage für den Fahrplan nennt die Stadt den 2019 beschlossenen Klimanotstand sowie das 2023 verabschiedete Klimaschutzkonzept. Danach soll der kommunale Gebäudebestand zwischen 2035 und 2040 vollständig treibhausgasneutral beheizt werden.
Für die Bewertung der einzelnen Gebäude wurden Faktoren wie das Alter der Heizungsanlage, das CO₂-Einsparpotenzial und der Aufwand für die Umstellung auf eine Wärmepumpe herangezogen. Daraus ergibt sich eine Reihenfolge für die Umsetzung. Für 2027 sind bereits konkrete Umstellungen vorgesehen, unter anderem in der Augustinerstraße, am Freien Platz 12 in Heimersheim sowie in der Schlossgasse.
Gebäudebesichtigungen und Steckbriefe
Um die Umstellung auf eine belastbare Grundlage zu stellen, führt die Stadt nach eigenen Angaben detaillierte Gebäudebesichtigungen durch. Für jede Liegenschaft entsteht ein individueller Steckbrief, der den energetischen Ist-Stand dokumentiert und den Zielzustand definiert. Im Mittelpunkt stehen auch kleine, schnell umsetzbare Maßnahmen, etwa die Dämmung von Dachböden, die sich rasch amortisieren und keine aufwendige Grundsanierung erfordern.
Klimaschutzmanager Marcel Klotz erläuterte, er wolle als Kommune wirtschaftlich denkend wie eine Privatperson handeln. Investitionen, die sich innerhalb weniger Jahre rechnen, sollten möglichst schnell angegangen werden. Zudem sei für den Einbau einer Wärmepumpe in der Regel keine Grundsanierung notwendig; häufig reichten kleinere Maßnahmen und der Austausch einzelner Heizkörper aus.
Hohe CO₂-Kosten als Haushaltsfrage
Die Stadt verweist nicht nur auf Klimaschutzgründe, sondern auch auf finanzielle Belastungen. Bereits heute zahlt Alzey nach eigenen Angaben rund 30.000 Euro pro Jahr allein für den CO₂-Preis auf den eigentlichen Gasverbrauch der Gebäude. Mit dem ab 2028 europaweit geltenden Emissionshandel für Gebäudewärme (EU-ETS II) dürften diese Kosten weiter steigen. Für 2045 werden laut Konzept 100 bis 300 Euro je Tonne CO₂ prognostiziert. Würde die Stadt bei fossilen Heizsystemen bleiben, könnten sich die CO₂-bedingten Mehrkosten bis 2045 auf rund 800.000 bis 2,4 Millionen Euro summieren.
Hinzu kommt nach Angaben der Stadt das Risiko, dass neu eingebaute Gasheizungen wegen einer nach 2045 fraglichen Erdgasversorgung nur noch verkürzt genutzt werden könnten. Das könne zu außerplanmäßigen Abschreibungen und zusätzlichen Haushaltsbelastungen führen. Die Gesamtinvestitionen für den Umbau des städtischen Heizungsbestands schätzt die Verwaltung auf Basis heutiger Kostenschätzungen und bei einer Förderquote von rund 30 Prozent auf etwa 4,5 Millionen Euro brutto bis 2040.
Bürgermeister Steffen Jung bezeichnete das Konzept als wirtschaftlich gebotenen Schritt und verwies darauf, dass jeder weitere Verbleib bei Gasheizungen den Haushalt durch steigende CO₂-Preise belaste. Zugleich hoffe die Stadt, dass ähnlich wie beim Ausbau der Photovoltaik auf kommunalen Gebäuden auch ein Förderprogramm für die Wärmewende aufgelegt werde.
Ausschuss stimmt einstimmig zu
Der Ausschuss für Bauen, Umwelt und Klimaschutz nahm das Konzept einstimmig an. Die Verwaltung soll es künftig jährlich fortschreiben und dem Ausschuss als verbindliche Grundlage für den weiteren Heizungstausch vorlegen. Für das Haushaltsjahr 2027 schlägt sie vor, Mittel für die ersten beiden Heizungsumstellungen einzuplanen: für die Ortsverwaltung mit Feuerwehr in Heimersheim sowie für die Liegenschaft in der Augustinerstraße 9.
Nach Angaben von Marcel Klotz schafft das Konzept Planungssicherheit und macht den weiteren Weg transparent. Abweichungen bei der konkreten Umsetzung in einzelnen Gebäuden seien zwar nicht auszuschließen, doch die Stadt wolle Lösungen finden und die nächsten Schritte gemeinsam angehen.
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