Tötungsdelikt in Billigheim-Ingenheim: Landrat und Gleichstellungsbeauftragte sprechen Beileid aus
Ein Statement von Dietmar Seefeldt und Isabelle Stähle ordnet die Tat als Beispiel für geschlechtsspezifische Gewalt ein und ruft dazu auf, Warnsignale ernst zu nehmen.
Nach dem Tötungsdelikt in Billigheim-Ingenheim haben Landrat Dietmar Seefeldt und Isabelle Stähle, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Südliche Weinstraße, die Gewalttat scharf verurteilt. Nach Angaben der Mitteilung soll am Freitagabend eine 53-jährige Frau von ihrem ehemaligen Lebensgefährten mit mehreren Messerstichen so schwer verletzt worden sein, dass sie starb.
Landrat Seefeldt sprach den Angehörigen und allen nahestehenden Menschen der Verstorbenen sein Beileid aus. Gewalt gegen Frauen dürfe niemals als Beziehungsstreit oder Privatsache abgetan werden, so Seefeldt. Es handele sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich auch der Landkreis stellen müsse.
Die Gleichstellungsbeauftragte Stähle bezeichnete die Tat als erschütterndes Beispiel für geschlechtsspezifische Gewalt. Sie verwies darauf, dass bei Tötungen an Frauen durch Männer, die ihren Anspruch auf die Frau und die Beziehung nicht akzeptierten, von einem Femizid gesprochen werde; bei ehemaligen Lebensgefährtinnen oder -gefährten von Nachtrennungsgewalt. Auch wenn die genauen Hintergründe der Tat noch Gegenstand der Ermittlungen seien, müsse über das strukturelle Problem gesprochen werden. Gewalt gegen Frauen sei auch im Landkreis Südliche Weinstraße kein Einzelfall und gehe so gut wie immer von Männern aus.
Anzahl der Fälle steigt auch im Kreis Südliche Weinstraße
Die Zahl der Gewalttaten gegen Frauen ist laut Mitteilung in den vergangenen Jahren auch in der Region gestiegen. Nach Zahlen des Interventionszentrums gegen Häusliche Gewalt Südpfalz wurden im vergangenen Jahr in der Südpfalz 398 Frauen und 20 Männer Opfer von häuslicher Gewalt. Im Jahr 2024 waren es 379 Frauen und elf Männer, im Jahr 2023 421 Frauen und 16 Männer.
Seefeldt und Stähle betonten, hinter jeder Zahl stehe ein Mensch mit einer persönlichen Geschichte. Die Dunkelziffer aller nicht gemeldeten Fälle sei groß. Deshalb müsse gemeinsam hingeschaut, Warnsignale müssten ernst genommen und Betroffene gestärkt werden. Niemand solle Gewalt in einer Beziehung hinnehmen müssen oder damit allein bleiben.
Appell, nicht wegzuschauen
Gewalt gegen Frauen beginne nicht erst mit einer tödlichen Eskalation. Sie könne sich in psychischer Gewalt, Kontrolle, Bedrohung, körperlichen Übergriffen oder Stalking zeigen. Umso wichtiger seien Aufmerksamkeit, Unterstützung und niedrigschwellige Hilfsangebote. Stähle und Seefeldt riefen dazu auf, Warnsignale ernst zu nehmen, Betroffene zu unterstützen und bei Gewalt nicht zu schweigen.
Niedrigschwellige Hilfe vermittelt auch das Netzwerk STOPP Südpfalz. Darin sind unter anderem der Landkreis, Vertreterinnen und Vertreter der Polizei, der Staatsanwaltschaft, des „Frauen*notruf“ des Aradia e.V., des Interventionszentrums, des Frauenhauses Landau, die Gleichstellungsbeauftragten Südliche Weinstraße, Landau und Germersheim sowie der Kinderschutzdienst, der Weisse Ring, Solwodi und Pro Familia vertreten. Das Netzwerk will Betroffenen vermitteln, dass sie nicht alleine sind und auf ein dichtes Netz an Institutionen und Hilfsangeboten zurückgreifen können.
Weitere Informationen und Hilfe zum Thema Gewalt gegen Frauen gibt das Gleichstellungsbüro SÜW telefonisch unter 06341 940-120. Ebenfalls erreichbar ist das bundesweite Hilfetelefon unter der Nummer 116016. Mehr Informationen stehen unter www.suedliche-weinstrasse.de/gleichstellung.
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